Dienstag, 5. Oktober 2010

irkutsk & insel olkhon (28. september - 1. oktober)

nach unsererem 10-tägigen abstecher in die mongolei und die wüste gobi, führten uns 36 stunden zugfahrt nach irkutsk. 36 stunden zugfahrt mag jetzt lang klingen – so weit war die distanz jedoch nicht, wir verbrachten mehr oder minder den ganzen tag auf der grenze stehend, zuerst 5 stunden auf der mongolischen seite, dann 5 stunden auf der russischen, in dem schönen ort namens naushki, wo es bis auf einen markt genau eine straße gab – und am markt selbst waren von 10 standln nur 2 geöffnet. da es aber ein angenehmer herbsttag war, konnten wir ein wenig spazieren gehen. abgesehen von dem tag an der grenze, haben wir auch 2 nächte im zug verbracht. dementsprechend verging die zeit eigentlich schnell.

in irkutsk angekommen, haben wir gleich einen schlafplatz in einem netten hostel gefunden, und sind – nach adminstrativen dingen wie visumsregistrierung & organisieren von unserem ausflug nach olkhon – ins zentrum, um diese angeblich hässliche sibirische stadt zu erkunden.

so hässlich kam sie uns dann jedoch gar nicht vor – im gegenteil, wir waren sogar recht angetan. das zentrum ist klein und überschaubar, wir sahen einige kirchen (russisch-orthodoxe sowie eine katholische), die ewige flamme, die zum andenken an kriegsopfer brennt und dabei von 4 soldaten (2 männlichen und 2 weiblichen) bewacht wird, einen großen, schönen hauptplatz mit park, einen springbrunnen, der wie zur musik bewegt war (leider fehlte jedoch die hintergrundmusik) und viele kleine holz-häuser, die noch aus dem 19. jahrhundert stammten und in denen menschen auch heute noch wohnen.

der tag verging somit recht schnell, v.a. da wir viel draußen sein konnten – es hatte nämlich ca 10 grad und die sonne schien und wärmte uns dazu.

am tag darauf ging es für einen 3-tages-trip auf die insel olkhon, die in der nähe des östlichen ufers des baikal sees auf halber höhe des sees gelegen ist (distanz von irkutsk: 230 km). für diesen weg brauchten wir satte 7 stunden (russische straßen sind nicht viel besser als mongolische, und auf die fähre mussten wir ja auch noch warten), und kamen um 15.00 uhr in der hauptstadt der insel kuzhir an – eine stadt mit immerhin 1.200 einwohnern, 3 betonierten häusern und keiner asphaltierten straße.

dort angekommen, ging es erst mal ans unterkunft-suchen. wir weigerten uns, in der touristischen hauptsammelstelle unterzukommen und wählten die russischere variante – und gingen durch die straßen, nach „zimmer zu vermieten“-schildern-ausschau-haltend. wir wurden schnell fündig, und kamen in einem nette, kleinen hotel unter, mit einer russischen familie als betreiber. unser zimmer war gemütlich und klein, in einer holzhütte, mit wc und einem waschbecken im freien – und wir waren die einzigen gäste (es wirkte so, als ob das hotel eigentlich schon winterferien machen wollte, jedoch nachdem wir kamen beschlossen hatte, zwei tage länger geöffnet zu halten). unsere gastgeber waren sehr nett, und brachten uns gleich so einen heizstrahler (heizung gab’s sonst logisch keine) und eine thermos, wodurch unser zimmerchen gleich kuschelig gemütlich wurde.

in diesem „hotel“ konnten wir auch eine russische banja benutzen – ähnlich unserer sauna, nur mit angeschlossenem waschraum, in dem man sich „duschen“ kann, d.h. man mischt in einem kübel warm- und kaltwasser und leert sich das ding gegenseitig über den kopf.

am nächsten tag (30. september) hatten wir eine exkursion nach khoboj, den nördlichsten punkt der insel, gebucht. die aussicht dort war einfach umwerfend (siehe fotos) – die herbstliche landschaft auf der insel, in einer unbeschreiblich schönen farbenpracht und –vielfalt, neben dem tiefblauen und gleichzeitig kristallklaren see (man konnte von diesem aussichtspunkt auf den grund sehen!), und im hintergrund leicht angezuckerte bergketten… wir waren beeindruckt! alles in allem wirkte der baikal see mehr wie ein meer, denn teilweise konnte man das andere ufer nicht erkennen und auch die vielen möven, die herumflogen, ließen den see nicht unbedingt wie einen see wirken.

ein paar fakten zum baikal see & zur insel olkhon

  • der see ist der weltweit größte - über 600 km lang
  • tiefste – 1637m
  • und älteste see, entstand durch plattentektonik und wird konstant größer und tiefer, in ein paar millionen jahren wird er somit zum fünften ozean werden
  • außerdem enthälter 80 % von russlands süßwasser sowie 20% der weltweiten flüssigen süßwasserreserven.
  • im winter kann der see bis zu 30 m tief zufrieren, und dient daher als befahrbare straße. nur in der zeit, in der das wasser „am erfrieren“ ist, ist die insel olkhon komplett von der außenwelt abgeschnitten, da weder ein schiff, noch ein auto fahren kann – und das kann zwischen 10 und 30 tage lang dauern
  • der baikalsee und seine umgebung sind von umwelt-sicht her in vielen dingen einzigartig, denn es gibt viele lebensarten, die nur hier gefunden werden (wie z.b. den omul [einen fisch der lachs familie] oder auch die weltweit einzige süßwasser robbe)
  • die insel olkhon selbst ist ca 15 x 70 km groß, und wird von den shamanen als einer der fünf wichtigsten punkte mit sehr viel positiver energie auf der welt verehrt

zum mittagessen gab es auf dieser tour „rybnaja ukha“, eine russische fisch-suppe aus omul, dem typischen baikaler-fisch (er lebt nur im baikalsee und gehört zur lachs-familie), mit frischem salat und tee und russischen lebkuchen zur nachspeise – und das mitten im wald und doch frisch zubereitet (von unserem fahrer überm lagerfeuer).

am darauffolgenden tag mussten wir leider schon wieder zurück nach irkutsk, da unsere zugtickets für den abend gebucht waren. um 11. uhr abends (sprich 18.00 uhr moskauer zeit – es ist etwas gewöhnungsbedürftig, dass alle züge nach moskauer uhren laufen, und auf bahnhöfen moskauer zeit ausgehängt ist…) fuhr unser zug von irkutsk aus über tajshet nach sjeverobajkalsk. die fahrt dauerte erneut 36 stunden (die bezeichnung „schnellzug“ tragen russische züge zwar, haben sie aber kaum verdient), war jedoch sicher angenehmer als die alternative, von irkutsk aus mit einem minibus über stock und stein 19 stunden lang zu wackeln.

anbei sind noch einige fotos von irkutsk und dem baikal see, wir hoffen, sie gefallen euch so gut, wie uns die live-variante gefallen hat!


der bahnhof in nauschki - das einzige erwähnenswerte gebäude in diesem ort, und auch das mit abstand am besten erhaltene (bzw renovierte)


eine der kirchen in irkutsk



dies sind diese alten holzhäuser, die noch vom anfang des 19. jh stammen, und in denen menschen auch heute noch wohnen



eine nahaufnahme von den fenstern an den alten holzhäusern - jedes haus hatte bei den fenstern andere verzierungen, alle mit viel detail-liebe



und das ist der berühmte baikal see. das foto haben wir auf der fähre zwischen festland und insel gemacht



hier eine aufnahme von kuzhir, der hauptstadt von olkhon. im vordergrund das häuschen unserer gastgeber (das foto haben wir von unserem zimmer aus gemacht)



eine aussicht am weg richtung khoboj (dem nördlichsten punkt der insel)



und eine andere aussicht



das meinten wir mit den bunten herbstfarben auf der insel selbst, dem tiefblauen see und den mit schnee angezuckerten bergen im hintergrund



unsere gruppe beim mittagessen im wald



das war jetzt schon auf der westseite der insel, wo zwischen insel und anderem festlandufer ca 50 km liegen



und hier konnten wir direkt zum see hinuntergehen, und waren absolut überwältigt, wie glasklar und sauber das wasser dort war (man sagt, dass schwimmer im see probleme mit höhenangst bekommen könnten, denn man kann stellenweise bis zu 40 m in die tiefe sehen)


zu guter letzt noch ein foto von unserem hotel

1 Kommentar:

  1. hallo ihr lieben,

    wir hatten schon lange vor, euch mal zu schreiben. sind ganz beeindruckt von eurem reisebericht. es sieht so aus, als hättet ihr, trotz mancher doch recht enger schlaggelegenheiten eine schöne zeit. wir wünschen euch viele schöne weitere tage und wochen, genießt eure weitere reise und paßt auf euch auf. wir hoffen, dass ihr nach der reise mal zeit habt, uns zu besuchen und uns von eurem abenteuer persönlich zu erzählen.
    liebe grüße onkel peter, daniela, helene und viola (ist seit letztem samstag schon 2 jahre alt)

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